Selbstfürsorge ist kein Luxusgut


Wenn wir Eltern werden treten wir oft selbst in den Hintergrund


Der Moment der Geburt unserer Kinder ist wie ich glaube magisch. Alles scheint auf dieses kleine Wesen – unser Baby – ausgerichtet zu sein. Unser gesamtes Denken, unser Handeln bezieht sich direkt auf dieses Kind. Wir selbst sind Erwachsen und intuitiv wissen wir, dass wir einerseits in der Lage sind unsere eigenen Bedürfnisse zunächst an zweite Stelle zu stellen und dies andererseits für die psychische gesunde Entwicklung dieses Babys in unserem Arm von enormer Bedeutung ist.

Dies hat meiner Meinung nach zunächst auch seinen tiefen Sinn. Ein Baby ist darauf angewiesen, dass wir seine Bedürfnisse unmittelbar erfüllen. Es ist von großer Bedeutung, dass wir präsent sind und die Bedürfnisse dieses Babys akkurat und zeitnah erfüllt werden.


Aber wann genau ist diese Phase vorbei? Wann endet dieser Moment, da wir uns selbst in diesem Maße zurücknehmen wie das in der Babyzeit durchaus Sinn macht?

Gab es für dich ein Ende dieser Phase oder haben sich schlicht die Anforderungen mit dem Älterwerden deiner Kinder verändert? Aber darüber hinaus bist du nach wie vor dabei, die Bedürfnisse und Wünsche deiner Kinder zu erfüllen und für dich selbst bleibt wenig Raum?


Unsere eigene Erziehung und Sozialisation hält uns dazu an, uns um die Bedürfnisse anderer zu kümmern


Im Grunde haben wir selbst durch Erziehung durchgängig nichts anderes gelernt und erfahren: Wir sind für die Bedürfniserfüllung anderer verantwortlich. Aus diesem Grund wissen wir oft recht genau, was unsere Kinder brauchen. Auch die Bedürfnisse unseres Partners sind uns oft bewusst. Wie ist das bei dir selbst? Weißt du selbst was du brauchst? Sorgst du für dich und bist du dir klar darüber, wie du dich mit dem versorgen kannst, was du brauchst? Ich glaube, dass sich viele Mütter oft nicht die Zeit nehmen darüber nachzudenken, was ihnen wirklich wichtig ist, was sie brauchen und welche Strategien sie kennen um sich ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.

Das gesellschaftliche Mutterbild tut hierbei ihr übriges. Da ist die Annahme, dass eine gute Mutter stets ihre eigenen Wünsche, ihr Wohlergehen und ihre Bedürfnisse zum Wohl der Familie hinten anstellt. Und ich bin überzeugt davon, dass uns dieses gesellschaftliche Rollenbild oftmals lange bevor wir selbst Mutter werden, vollkommen präsent ist und wir ab dem Moment, ab dem wir unser eigenes Baby in den Armen halten, unser gesamtes Handeln, unser Sein nach diesen Erwartungen ausrichten. Allerdings führen genau diese Erwartungen nicht zu einer glücklichen, zufriedenen und ausgeglichenen Mutterschaft.


Im Kontext friedvoller Elternschaft ist es fatal die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren


Im Laufe der Schwangerschaft richten wir unser Verhalten nach den Bedürfnissen des Säuglings aus, der in uns heranwächst. Wir ernähren uns bewusst, treiben angemessen Sport, hören auf zu rauchen und vermeiden Alkohol. Wir sorgen also für uns selbst und damit unmittelbar auch für das Baby in der Gebärmutter. Im Grunde wird hier auf natürliche Weise bereits deutlich: Dann, wenn es der Mutter gut geht, geht es auch dem Baby gut. Und ein sogenanntes „Unden“ von Bedürfnissen ist einerseits vollkommen natürlich und andererseits auch tatsächlich lebbar. Nach der Geburt gerät dann oft in Vergessenheit, dass das Wohlergehen unserer Kinder auch mit davon abhängt, wie gut wir uns um uns selbst kümmern. Wir sind das Fundament einer gesunden psychischen und physischen Entwicklung unserer eigenen Kinder. Und der Ursprung friedvoller Elternschaft besteht darin, dass wir selbst einen liebevollen, achtsamen und friedvollen Umgang mit uns pflegen.

Dann, wenn du auf dich selbst achtest, dich erholst, auf genügend Schlaf achtest, dich bewegst, bewusst ernährst, und auf deine eigenen Bedürfnisse und deren Erfüllung achtest, hast du auch die Energie, die du brauchst, um so für dein Kind da sein zu können, wie es das wiederum für ein psychisches und physisches gesundes Heranwachsen so dringend braucht. In diesem Sinne wird an dieser Stelle deutlich, dass Selbstfürsorge kein Luxusgut ist, dass du dir irgendwann dann erfüllst, wenn du eine lange, prall gefüllte To-Do-Liste absolviert hast, sondern vielmehr die Basis einer achtsamen, friedvollen und liebevollen Elternschaft darstellt.

Das ist der Moment, in dem es dir gelingt – tatsächlich aufrichtig jenseits vom Schimpfen, drohen und strafen - genau die Mutter zu sein, die du aus ganzem Herzen für dein Kind sein willst. Empathie, Wertschätzung, ein geduldiger Umgang mit deinen Kindern – all das braucht deine Energie, deine Präsenz und einen liebevollen sowie achtsamen Umgang mit dir selbst.


Vom Brunnen der dann überfließen kann, wenn er selbst gut gefüllt ist


An dieser Stelle will ich dich einladen, dir einen Kaskadenbrunnen vorzustellen, bei dem erst dann das Wasser der jeweils höheren Ebene zum Überfließen kommen kann, wenn diese wiederum gut gefüllt ist. Ähnlich verhält es sich mit friedvoller Elternschaft. Dann, wenn dein Brunnen gut gefüllt ist, dann wenn du liebevoll, achtsam und friedvoll für dich sorgst, dann kann diese tief empfundene Ausgeglichenheit auch in die Beziehung zu all den Menschen überfließen, die dir so sehr am Herzen liegen. Ist in diesem Fall deine Ebene jedoch selbst nicht gut mit Wasser gefüllt, so kann auch hier entsprechend nichts überfließen.


Fühlst du dich also energielos, müde und ausgebrannt, weil du unentwegt damit beschäftigt bist, die Wünsche und Bedürfnisse anderer zu erfüllen, gleichzeitig aber nicht auf dich selbst zu achten, ist damit letztlich keinem geholfen. In diesem Sinne ist Selbstfürsorge, Selbstverantwortung und Selbstachtsamkeit die Basis friedvoller Elternschaft. In einem erzieherischen MindSet birgt genau dieser Moment den Effekt in sich, an dem Erziehende oft sagen: „Jetzt habe ich so lange alles für mein Kind getan. Und ab jetzt bin ich an der Reihe!“ Hier herrscht die Vorstellung eines „entweder... oder... Denkens“. Entweder werden die Bedürfnisse der Mutter oder aber die Bedürfnisse des Kindes erfüllt. Mutter und Kind stehen nicht an einer Seite, sind keine Teamplayer.


Was braucht dein Kind denn eigentlich wirklich?

Ich glaube darüber hinaus nicht, dass es im Interesse unserer Kinder ist, wenn wir uns völlig aufgeben. Beziehung zu leben und zu gestalten ist keine Einbahnstraße. Unsere Kinder wollen wissen, wer wir sind, was uns ausmacht und mit uns in Beziehung kommen. Sie brauchen Eltern, die authentisch ihre Gefühle und Emotionen zum Ausdruck bringen können, um ihre Bedürfnisse wissen und ausgehend von diesem Punkt in der Lage sind, eine aufrichtige, liebevolle und achtsame Beziehung mit kleinen Menschen zu gestalten. Jesper Juul hat das mit den folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:


„Wenn die Erwachsenen nicht genug Zeit für sich selbst haben und die Eltern nicht für sich als Paar, dann widmen sie den Kindern unter Garantie zu viel Aufmerksamkeit. Kein Kind will Aufmerksamkeit. Es braucht Beziehung, will am Leben seiner Eltern teil haben.“ - Jesper Juul


Jenseits eines erzieherischen MindSets öffnen sich Welten, Lösungen und Möglichkeiten dafür eine Denkweise zu entwickeln, die es erlaubt in „sowohl... als auch... zu denken“: sowohl die Bedürfnisse der Mama sind von Bedeutung als auch die des Kindes. Und es wird möglich sowohl die Verantwortung für kleine Menschen zu übernehmen, die wir naturgemäß als Erwachsene haben als auch in die Selbstverantwortung für uns selbst zu kommen. Dies ist das sogenannte „Unden“, das uns ermöglicht, uns tief mit unseren Kindern zu verbinden und uns gemeinsam als Teamplayer zu begreifen.


Ich glaube auch, dass es das ist, was wir uns für unsere Kinder wünschen: Das sie nicht verlernen mit sich selbst in Verbindung zu bleiben, auf ihre eigenen Bedürfnisse achten um dann ausgehend hiervon ein achtsames, friedvolles und erfüllendes Leben leben können. Das ist etwas, was wir unseren Kindern nicht beibringen können. Aber wir können es ihnen vorleben, in dem wir selbst mit uns und ihnen auf genau diese achtsame und respektvolle Art und Weise umgehen. Wir können ihnen Räume schaffen, in denen sie diese Werte erleben und dadurch für sich als lebenswert definieren können – vorausgesetzt sie wollen das.


Auf dein MindSet kommt es an


Ich möchte dir hier abschließend nun ein konkretes Beispiel aufzeigen, warum bei alle dem dein MindSet eine zentrale Rolle spielt. Und das Wegrücken von Selbstabwertung, Selbstablehnung, Selbstvorwürfen und dem eigenen Untergraben von Bedürfnissen keine netten Randerscheinungen friedvoller Elternschaft sind. Sondern Selbstfürsorge, Selbstliebe und Selbstachtsamkeit vielmehr die Voraussetzung für friedvolle Elternschaft darstellen. Wie ich es bereits im Laufe des Artikel ausführlich aufgezeigt habe.

Hierzu möchte ich Dich einladen den Unterschied im Umgang mit dir selbst zu fühlen, in eben solchen Momenten in denen du dich entgegen deiner Werte verhalten hast? Ich denke hier an konkrete Situationen in denen du mit deinem Kind geschimpft hast, mit „Wenn... dann... Sätzen“ um dich geworfen hast und deinem Kind gegenüber nicht friedvoll und achtsam gewesen bist. Wie sprichst du in solchen Situationen mit dir selbst? Sagst du dir hier folgendes?:

„Ich bin so eine scheiß Mutter. So ein scheiß Vater. Ich habe es wieder in den Sand gesetzt. Mein Kind wird krasse Schäden von meinem Verhalten davon tragen. Ich pack es einfach nicht friedvoll und achtsam mit meinem Kind umzugehen. Ich habe alles in den Sand gesetzt!“


Oder begegnest du dir selbst vielmehr mit einem liebevollen, achtsamen und friedvollen MindSet:

„Ich mache mich auf den Weg in Richtung friedvolle Elternschaft. Ich gebe tagtäglich ausgehend von meiner Geschichte mein Allerbestes. Ich bemühe mich aus ganzem Herzen darum, friedvoll und achtsam mit meinem Kind umzugehen und nehme mich selbst liebevoll in den Arm, wenn mir das heute nicht gelungen ist. Es werden noch viele weitere Momente kommen, in denen ich kraftvoll an der Seite meines Kindes stehen kann!“


Es ist deutlich geworden, worauf ich hinaus möchte.

Dann, wenn wir uns auf den Weg in Richtung friedvolle Elternschaft machen wollen, aufhören wollen unsere Kinder zu strafen, sie zu schimpfen und ihnen zu drohen, dann beginnt dieser Weg immer wieder damit, dass wir anfangen friedvoll, achtsam und liebevoll mit uns selbst umzugehen. Es gibt keinen anderen friedvollen Weg, als jenen über uns.


Textverfasserin: Gastautorin Verena Asche @familiengeflecht


Ich bin Verena Asche, studierte Sonderpädagogin und Mama von zwei Töchtern. Bis Mitte 2019 habe ich im staatlichen Förderschulsystem als Lehrerin gearbeitet, mich dann aus dem Beamtenverhältnis entlassen und begleite seitdem Eltern auf ihrem Weg in Richtung friedvolle Elternschaft. Dies geschieht sowohl im Rahmen von Einzelcoachings als auch von Onlinekursen. Hier kannst du tiefere Einblicke in meine Arbeit erhalten:


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Deine Verena




*Zur Transparenz möchte ich gerne folgende Info da lassen: Kommt über den Affiliatelink eine Buchung bei der lieben Verena zustande, so erhalte ich eine kleine Umsatzbeteiligung. Eure Cara


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